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Trump vs. Huawei – die Schlacht hat begonnen

Sven Krumrey

Letzte Woche unterschrieb US-Präsident Donald Trump ein Dekret, das es in sich hatte. Der nationale Notstand in der Telekommunikation untersagte US-Unternehmen, bestimmte Telekommunikationstechniken zu nutzen. Wohl jeder ahnte sofort, dass dieses Dekret vorwiegend gegen China und Huawei gerichtet sei, schon vorher hatte es Anschuldigungen geben, doch das Weiße Haus dementierte sofort. Es sei nicht gegen ein spezielles Land oder Unternehmen gerichtet. Eine Woche später stellt die Google-Mutter Alphabet die Zusammenarbeit mit Huawei ein. Welch Überraschung. Was dies nun für die Besitzer von Huawei-Handys bedeutet und vor welchem Notstand überhaupt geschützt werden soll, lesen Sie hier!

Zug um Zug zur Eskalation

Worum geht es überhaupt?

Die USA und China sind schon länger in einem Handelskrieg, der vor allem mit Strafzöllen geführt wird. Aktuell stehen neue Verhandlungen an und der Druck wird an allen Fronten erhöht. In diesem neuen Dekret soll die Telekommunikation vor „gegnerischen Staaten“ geschützt werden, speziell vor Spionage und Sabotage. Da in den USA gerade das Mobilnetz auf den neuen, schnellen 5G-Standard umgestellt werden soll und Huawei hier einer der führenden Anbieter ist, gewinnt die Entscheidung besondere Brisanz. Das Handelsministerium erhält damit die Berechtigung, alle Geschäfte zu unterbinden, die ein nicht akzeptables Risiko für die Sicherheit des Landes und seiner Einwohner darstellen. Ohne eine Lizenz, die natürlich das Handelsministerium vergibt, darf kein Handel ablaufen. Da das Handy-Netz aber noch reine Planung ist, treten aktuell andere Auswirkungen des Dekrets in den Vordergrund. Der erste Paukenschlag: Alphabet, der Google-Mutterkonzern, wird dadurch gezwungen, seine geschäftlichen Verbindungen mit Huawei im Bereich der Handys (und natürlich auch Tablets, etc.) einzustellen. Und das Unternehmen steht damit nicht alleine.

Darf Huawei jetzt kein Android mehr nutzen?

Hier muss man genau unterscheiden. Android gehört Alphabet nicht, auch wenn die Firma in dem Projekt klar die Zügel in der Hand hält und auch am meisten investiert. Android selbst ist aber Open Source, also für jeden nutzbar, auch für Huawei. Was aber (offensichtlich) auf der Strecke bleibt, sind bestimmte Dienstleistungen von Alphabet, die sie sonst Partnern bieten. Sie bekommen keine Vorversionen mehr, um sie rechtzeitig an ihre Geräte anpassen zu können und keine noch nicht öffentlichen Sicherheitsupdates. Kurzum, sie müssen sich hinten anstellen, mögliche Probleme bleiben erst mal ohne Patch, aktuelle Funktionen kommen vielleicht ein, zwei Monate später. Nicht mehr erlaubt sind auch Versionsupdates, wenn Android also einen Versionssprung macht (wann der Nachfolger zu Android 9 auch immer kommen mag), wird Alphabet das Update nicht zur Verfügung stellen. Was Alphabet sehr wohl gehört, sind die Google-Dienste. Also Google Play, Google Maps, der Google Playstore und viele andere Services. Huawei-Nutzer befürchteten gleich, sofort abgekoppelt zu sein, was aber nicht geschah. Man möchte wohl nicht die Käufer der Geräte abstrafen, sondern den Produzenten. Der Bann beginnt also mit kommenden Geräten.

Sind Huawei-Handys damit am Ende?

Natürlich nicht. Zuerst einmal ist bei all den Drohgebärden zwischen den Staaten nicht sicher, ob die Maßnahmen von Dauer sind. Auch gegen den chinesischen Technologiekonzern ZTE wurden schon im April 2018 Strafmaßnahmen verhängt, die Bänder standen still, bis die Maßnahmen gelockert und die Geschäfte wieder aufgenommen wurden. Zudem ist das Android auf chinesischen Huawei-Handys sowieso ohne Google. Dort ist die Google-Nutzung ja verboten, man nutzt dort einen eigenen Playstore, baut auf dort ein „nacktes“ Android ohne die Alphabet-Dienste und ergänzt diese Lücken mit eigener Software, bis der Funktionsumfang vergleichbar ist. Natürlich wäre das für den europäischen und amerikanischen Markt ein Nachteil, Google ist enorm weit verbreitet, hat eine große Akzeptanz und ist bestens vernetzt. Hier z.B. einen anderen Playstore zu etablieren, dürfte auf einiges Missfallen der Kunden stoßen, falls sie sich überhaupt noch zu einem Kauf entscheiden.

Brachenriese und Zankapfel

Können denn die USA ohne Huawei?

Die Frage klingt vielleicht dümmlich, hat aber ihre Berechtigung. Denn der Ausbau der Handy-Netze auf 5G ist beschlossene Sache, ohne den Anbieter Huawei (oder ganz ohne chinesische Anbieter) könnte der Prozess teurer werden und länger dauern. Nicht jeder wird dies verstehen, speziell im Bereich der Wirtschaft könnte dies für Unmut sorgen. Denn mit 5G kann man natürlich wunderbar neue Geräte verkaufen, die mit dieser neuen Technik funktionieren, ein Milliardenmarkt. Zudem gibt es immer noch die Verteidiger des freien Marktes, die unbeirrt (man mag es kaum glauben) auf Beweise warten. Denn so tatkräftig die amerikanische Regierung agiert, so vage bleiben die Anschuldigungen, Beweise (und seien es nur ausgewählte) gibt es nicht. Es gäbe ausreichend Anlass zu der Annahme, dass Huaweis Aktivitäten nationalen Sicherheitsinteressen zuwider liefen, verkündete eine Mitteilung des Weißen Hauses. Gut, das erinnert mich frappierend an die Vorwürfe gegenüber Kaspersky, ZTE, Halbleiterhersteller Fujian Jinhua und viele andere. Auch wenn hier schon viele Monate ins Land gezogen sind, Beweise wurden nie vorgelegt.

Sind Huawei-Geräte denn eine Gefahr?

Und hier kommen wir an den Punkt, wo die amerikanische Regierung durchaus für Aufklärung sorgen sollte, vielleicht müsste. Falls Huawei-Geräte so gefährlich sind, dass sie ein Notstands-Dekret rechtfertigen, darf dann überhaupt noch Huawei-Elektronik genutzt werden? Huawei gehört mit Samsung und Apple zu den weltweiten Topsellern, müssen Nutzer um ihre Sicherheit fürchten? Wie ist es mit Huawei-Geräten, die bereits in der Infrastruktur verbaut sind, müssen die nun deaktiviert und ersetzt werden, um die nationale Sicherheit zu retten? Wenn wirklich gesicherte Kenntnisse vorliegen, wieso bleibt man hier stumm? Skeptiker sehen in diesem Dekret eine weitere Spielart des Wirtschaftskriegs. Über ein Dekret eine wichtige Wirtschaftssparte praktisch zu boykottieren, mag ja den einen oder anderen Verhandlungspartner weichkochen, ganz sicher. Aber wie sehr könnte man zusätzlichen Druck machen, wenn man wirklich Beweise für Fehlverhalten hätte? Man könnte Huawei als Marke nicht nur aus dem eigenen Land fegen, sondern praktisch vom Weltmarkt!

Was noch kommt

Fest steht, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Denn Huawei ist beileibe nicht der einzige größere, chinesische Hersteller von Telekommunikation. Und wie sieht es bei PCs, Servern und anderen Geräten aus? Können die USA überhaupt Waren dieser Art von einem „gegnerischen Staat“ einführen, wo auch hier Spionagetechniken ebenso denkbar wären? Ebenso bleibt es natürlich nicht bei Alphabet. Intel, Qualcomm, Broadcom und Xilinx werden, Stand heute, auch nicht mehr Huawei beliefern. Damit fallen nicht nur die wichtigen Prozessoren weg, sondern auch Komponenten für die Netzwerk-Hardware. Ob und wie schnell Huawei dazu Alternativen findet, wird man sehen. Als staatsnahes Unternehmen hat man alle Möglichkeiten, hohe Kosten und Verkaufseinbußen werden jedoch nicht zu vermeiden sein.

Wie sehen Sie es: Wird hier wirklich die Sicherheit einer Nation geschützt – oder sehen wir nur ein weiteres Kapitel eines Wirtschaftskriegs?

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