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200€ für nichts – die neue Gefahr Fleeceware

Sven Krumrey

Kennen Sie die Szene, in der Indiana Jones vor der riesigen Kugel flüchtet, die ihn zu zerquetschen droht? Stellen Sie sich vor, die Kugel seien Ashampoo-Großprojekte und ich sei ein etwas hüftsteifer Indiana Jones – genau so war die letzte Zeit! Und mich hat jede große Kugel voll erwischt! Während die Termine mich durch die Gegend kugelten, blieb der Blog auf der Strecke, was mir von Herzen leid tat, aber nicht zu ändern war. Natürlich hat sich in meiner Abwesenheit eine Menge getan, fangen deshalb wir mit einem besonders schäbigen Thema an, das viele Handy-Nutzer ein paar hundert Euro pro Monat kosten könnte – Fleeceware!

Das Grauen lauert auf der Rechnung

Android wie Apple haben immer wieder mit zwielichtiger Software zu tun, die sich in den Play Stores einnistet und vorgibt, eine ganz normale App zu sein. Fleeceware („Ausnehmen“-Software) heißt die neuste Plage und nutzt einen alten Trick im neuen Gewand. Bestimmt haben Sie schon von versteckten Abos gehört. Man bestellt etwas sehr günstig oder gar umsonst, muss dazu einen Wisch mit viel Kleingedrucktem unterschreiben, schon flattert im Folgemonat ein Abo ins Haus und der Frust ist groß. Fleeceware nutzt dabei Lücken in Nutzungsbedingungen wie beim Google Play Store. Es fängt dabei ganz normal an, die Programme bieten viel gesuchte, praktische Anwendungen, wie z.B. einen Barcode Scanner, einen Taschenrechner oder Foto-Optimierer. Der Nutzer bekommt eine kostenlose Probezeit, soweit ist alles normal.

Allerdings ist die Probezeit meistens nur drei Tage, weshalb die meisten Nutzer die Apps gleich wieder deinstallieren. Nutzt man das Programm dennoch, zeigt zuerst keine Auffälligkeiten, sondern arbeitet, wie erwartet. Endet jedoch diese Probezeit, beginnt ohne weitere Zustimmung das Abo und ist echtes Geld fällig. Während andere Programme eher im Cent-Bereich angesiedelt sind oder vielleicht ein paar Euro kosten, werden bei Fleeceware keine Gefangenen gemacht, 200€ und mehr sind keine Seltenheit – pro Monat! Wer nach Ablauf der Testzeit das Programm einfach vom Handy löscht, muss dennoch zahlen! Der beste Weg: Noch in der App das Abo kündigen und danach erst löschen, sonst wird es teuer. Denn der Play Store hat zwar eine Obergrenze, die liegt aber bei 300€ in der EU und 400$ in den Vereinigten Staaten - so viel Geld kann man für eine Software verlangen.

Nicht so sicher, wie viele glauben: Der Android Play Store

Natürlich hat Google eingegriffen und einige dieser Apps aus seinen Stores entfernt. Es ist jedoch auszugehen, dass weitere Apps dieser Art an den Start gebracht werden. Das Problem für Google - es ist nicht direkt Malware, denn es ist kein Verbrechnen, sehr, sehr teuer zu sein. Im Gegensatz zu der üblichen Malware tun diese Programme, was sie sollen, führen keinen Schadcode aus und ziehen auch keine sensiblen Daten vom Handy ab. Sie starten nicht, ohne die Zahlungsinformationen der Nutzer zu haben, aber auch das ist kein Verstoß gegen die Playstore Regularien. Auch das Fortbestehen des Abos, ohne die Software installiert zu haben, ist durchaus logisch. Wer z.B. von einem Handy aufs andere zieht, möchte vielleicht sein Abonnement mit sämtlichen Einstellungen und Favoriten beibehalten.

Die meisten wissen allerdings gar nicht, ob sie vielleicht ein Abo abgeschlossen haben. Besonders jene, die wegen der kurzen Probezeit schnell wieder deinstalliert haben, sind ahnungslos. Um festzustellen, ob Sie ein Abonnement abgeschlossen haben, können Sie im Play Store unter "Abos" sowie "Bisherige Käufe" (finden Sie unter „Konto“) die aktiven Abos und bereits erfolgten Zahlungen überprüfen. Haben Sie ein Abo abgeschlossen, hilft eigentlich nur eins: Das Abonnement sofort kündigen und schon abgebuchtes Geld über den Google Play Store zurückfordern. Ist der Kauf über 2 Stunden her, müssen Sie das über den Browser unter „Konto“ und „Bestellverlauf“ vornehmen und bekommen im Regelfall Ihr Geld wieder zurück.

So schnell geht das Geld verloren

Ist Fleeceware ein reines Android-Problem? Nein, denn auch im Apple Store lauerte Software dieser Art. Dort gab es schon 2017 einen Fall, wo eine VPN-Software 400 US-Dollar verlangte, ein Barcode Scanner mit „nur“ $3,99 pro Woche war im Vergleich eher bescheiden. Apple entschied deshalb, seit dem iOS 13 extra eine Meldung einzublenden, wenn man eine Software mit aktivem Abo entfernt. Je nach Andoid / Play Store-Version werden ähnliche Warnungen gezeigt, anscheinend jedoch für zahlreiche Nutzer nicht eindeutig genug, der Schaden geht bereits in die Millionen. Eine deutliche, übersichtliche Zusammenfassung aller Preise, Abo- und Test-Regularien bereits vor der Installation wäre hier wünschenswert!

Wie Sie solche Apps erkennen? Schauen Sie genauer hin! Werfen Sie einen Blick auf die Bewertungen. Bei Milliarden Smartphone-Nutzern werden Sie kaum der erste Mensch sein, der diese Software installiert. Sind die Bewertungen von Flüchen und Warnungen überzogen – Finger weg! Schauen Sie nach Empfehlungen oder nach Herstellern, die Ihr Vertrauen genießen. Denn der Play Store bei Android und der App Store bei Apple sind nicht so sicher und zum sorglosen Einkaufen geeignet, wie gerne behauptet wird. Daher müssen wir Smartphone-Nutzer weiterhin auf die Sicherheitszentrale zwischen unseren Ohren vertrauen und erst denken, dann klicken!

Was mich interessieren würde: Wurden Sie mal beim Kauf einer App betrogen oder hatten Sie sogar Malware auf dem Handy?

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