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Was taugen Bluetooth Kopfhörer unter 50€? AIKELA TWS-X10 Kopfhörer im Test

Sven Krumrey

Weihnachten ist vorbei und ich hoffe sehr, dass Sie gut ins neue Jahr gekommen sind! Natürlich lag bei mir auch Technik unter dem Baum, darunter auch eine echte Überraschung, ein Paar kabelloser Kopfhörer. Zwar hatte ich schon welche, diese sind aber groß (umschließen die Ohren), bieten die klassische Micky Mouse-Optik und sind durch üppige Akkus recht schwer. Für Sport und eher dezentes Auftreten sind sie kaum geeignet, weshalb ich die Aikela TWS-X10 mit großer Freude auspackte. Weder war mir die Firma ein Begriff, noch hatte ich je In-Ear-Kopfhörer (also der berühmte Knopf im Ohr) gehabt, es war also eine doppelte Premiere.

Keine Kabel, kein Bügel, Hörgenuss pur

Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen vor dem Test nicht sonderlich hoch waren. Die Aikela sind um die 40€ erhältlich, bei Rabattaktionen wurden sie auch schon für 28€ gesehen, es sind also Low-Budget-Geräte. Anders als viele Geräte der ersten Generationen haben beide Kopfhörer keine Kabelverbindung untereinander, man spricht hier von „True Wireless“. Das ist natürlich klasse, weil keinerlei Kabel mehr vorhanden sind, kann jedoch auch zu Problemen führen, wenn sich z.B. nur ein Kopfhörer verbindet oder beide nicht sauber synchronisiert sind. Der Kontakt zu Smartphones, Computern, Tablets, etc. erfolgt zum Glück über Bluetooth 5.0, einem aktuellen Standard mit guter Reichweite und Übertragungskapazität.

In der simpel gehaltenen Verpackung erwarten uns die üblichen Verdächtigen: Die Kopfhörer selbst, ein wirklich kurzes USB-C-Ladekabel, eine kleine Betriebsanleitung, Gummiaufsätze in drei Größen, ein Säckchen zu Aufbewahrung und die Ladestation. Die Station ist eine schmucke Box, in der die Kopfhörer nicht nur transportiert, sondern auch aufgeladen werden. Praktischerweise hat man gleich eine 3500mAh Powerbank eingebaut, die nicht nur die Kopfhörer mehrere Male ohne Steckdose aufladen, sondern wo man auch z.B. das Handy anschließen kann. Eine digitale Batterieanzeige ist ebenfalls vorhanden, so dass man genau weiß, wenn die Box wieder aufgeladen werden muss.

Da die Kopfhörer schon halbwegs aufgeladen sind, kann ich den Test gleich beginnen. Und – oh Wunder – auch für meine Gehörgänge passen die Kopfhörer, das habe ich schon ganz anders erlebt! Meine Ohren scheinen nicht gerade Durchschnitt zu sein, Stöpsel waren bislang tabu, aber diese Dinger passen einfach. Aber kommen wir zum Wichtigsten! Auch wenn sich manche Kritiker überschlagen: Es sind natürlich keine unfassbaren Soundwunder, die Bose locker hinter sich lassen, aber das darf auch niemand für den Preis verlangen. Bei meinen Tests mit hochwertigen FLACs (nicht komprimierten Musik-Dateien von Pink Floyd, Coldplay, The Alan Parsons Project und Muse) bin ich dennoch positiv überrascht. Nichts klingt blechern, nichts verzerrt (bei vertretbaren Lautstärken), „The Dark Side of the Moon“ und „Black Holes and Revelations“ kommen gut über die kleinen Kopfhörer. Die Bässe drücken nicht sonderlich, es gibt sicher auch differenzierte Klangbilder im High End-Bereich, für den Preis kann ich aber wirklich nicht meckern! Wer mehr Bumms braucht, kann per Equilizer (z.B. beim Abspielen über VLC) etwas nachjustieren. Frisch aus der Verpackung ist alles auch etwas leise, aber ein längeres Drücken auf den rechten Kopfhörer (erhöht die grundsätzliche Lautstärke) später passt alles.

Klein, aber fein und ziemlich praktisch

Die Bedienung läuft bei jedem der beiden Kopfhörer über die berührungsempfindliche Rückseite. So kann man stoppen, lauter und leiser machen oder auch Anrufe annehmen. Es wird eine gewisse Lernkurve voraus gesetzt, wenn man auf diese Weise agieren will, eine kleine Dame im Ohr sagt mir aber immer auf Englisch, was ich gerade getan habe. Auf Wunsch kann auch Siri / Google gerufen werden, ich bin jedoch froh, wenn ich die Schaltflächen nicht aus Versehen berühre, das kann z.B. beim Einsetzen der in die Ohrmuschel passieren. Ich spare mir ehrlich gesagt das meiste Herumgetippe auf den Kopfhörern und bediene das Allermeiste über das Handy, fertig. Die Anruffunktion wird ungeplant gleich getestet, als ein alter Freund anruft. Man versteht mich, bescheinigt mir aber einen etwas schwachbrüstigen, bassfreien Auftritt. Für Viel-Telefonierer sicherlich nicht die erste Wahl.

Bei so kleinen und leichten Geräten ist die Akkulaufzeit natürlich begrenzt, 4 Stunden ohne Aufladung sind vielleicht bei geringer Lautstärke und in kurzer Distanz zum Sender (z.B. Handy) möglich, ich kam auf glatte 3 1/2 Stunden, was für die meisten Spaziergänge, Hausarbeiten oder Einkaufstouren ausreichen dürfte. Das Aufladen erfolgt in grob 2 Stunden, 50mAh stehen pro Kopfhörer als Akku zur Verfügung. Die Reichweite der Bluetoothverbindung hängt natürlich auch vom Sender ab. Mein Handy schafft ca. 15 Meter plus eine Glastür, danach ist Stille. Das ist okay, aber nicht großartig, andere Kopfhörer können mehr. Die Kopfhörer sind nach IPX7-Standard wasserdicht, was die Nutzung bei Regen oder Schweiß abdeckt. Längere Tauchgänge würde ich ihnen nicht zumuten, da dauerhafter Kontakt mit Wasser erst eine Stufe höher (IPX8) empfohlen wird.

Doch wie fest halten die Teile in den Ohren und wie ist die Langzeitwirkung? Die Kopfhörer kommen mit weichen Silikon-Aufsätzen in drei Größen (klein, mittel, groß) und es lohnt sich durchaus, sie alle auszuprobieren. Denn obwohl ich dachte, bei mittlerer Größe gut aufgehoben zu sein, füllte „groß“ mein Ohr optimal, was den Sound erheblich verbesserte und den dumpfen Klang meiner Schritte (ein häufiges Problem dieser Bauart) erheblich reduzierte. Vom beworbenen Active Noise Cancelling höre ich allerdings wenig! Sicher, durch die Bauweise (Stöpsel im Ohr) ist man sowieso gut von der Umwelt abgeschirmt, dass aber Störgeräusche aktiv entfernt wurden, kann ich aber nicht berichten. Schade, das wäre ein netter Bonus gewesen! Dafür stimmt der Halt: Beim Staubsaugen und Putzen wackelt nichts, die Kopfhörer halten fest, aber ohne in den Ohrmuscheln zu drücken. Auch ein Gang in die Stadt mit 2 ½ Stunden Hörgenuss verursacht keine Probleme.

Guter Halt in den Ohren, ohne zu drücken

Aikela ist übrigens nicht der einzige Markenname, unter dem das Produkt verkauft wird, das Produkt hat mehr Namen als ein Heiratsschwindler. Unter Antimi, GRDE wireless X10 oder auch ganz ohne Label verkauft man die Kopfhörer ebenfalls, immer zu leicht variierenden Preisen, um auf großen Verkaufsplattformen gleich mehrfach vertreten zu sein. Auch Alternativen mit leicht verändertem Design (z.B. bunten Kopfhörern) sind erhältlich. Man versucht halt, ein günstiges, erfolgversprechendes Produkt über alle Kanäle zu verkaufen. Das merkt man sowohl in der Werbung, wie auch bei Amazon-Rezensionen: Vieles ist heillos übertrieben, als hätten wir hier den Apple AirPods-Killer zum Sparpreis, dessen Akkus ewig halten und der als Statussymbol einen Aston Martin in den Schatten stellt. Blanker Unsinn! Ziehen Sie 70% von den Aussagen ab und sie liegen ungefähr richtig. Was man bekommt, ist ein solides Produkt zu einem guten Preis, mit dem die meisten Nutzer durchaus zufrieden sein werden.

Weshalb dennoch Vorsicht angesagt ist: Es gibt Kunden (bei Amazon rund 5% der Rezensionen), bei denen die Kopfhörer nicht so zuverlässig Ihren Dienst verrichten. Es wird von Verbindungsausfällen berichtet, die Kopfhörer seien zu leise, klängen blechern oder würden nicht in die Ohren passen. Ob es in diesem Fällen an den Kopfhörern liegt (z.B. Qualitätsunterschiede zwischen den Chargen vorliegen), die Smartphones allgemeine Verbindungs-Probleme haben oder die Kunden noch seltsamere Gehörgänge als ich haben, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Für diesen Fall würde ich selbstverständlich das Rückgaberecht in Anspruch nehmen!

Wie bei allen Tests in diesem Blog ist dies keine bezahlte Werbung, ich habe keinen Cent dafür bekommen. Schade eigentlich!

Was mich interessieren würde: Nutzen Sie bereits kabellose Kopfhörer oder bleiben Sie bei der klassischen Variante mit Kabeln?

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