Das Ende von Windows 10
Es ist Standard, dass Microsoft seine Betriebssysteme nach 10 Jahren auslaufen lässt. Schon immer gab es Beschwerden, dieses Mal erwarte ich nichts weniger als einen Sturm der Empörung. Denn 2025 ist alles anders. Viele Computer, die noch bestens mit Windows 10 laufen, sind laut Microsoft nicht zu Windows 11 kompatibel. Wir reden dabei nicht von alten Gurken, die sich mit dröhnenden Lüftern durch den Bootvorgang schleppen, sondern leistungsfähigen Rechnern. Gleichzeitig ist Windows 11 noch weit von einer Marktbeherrschung entfernt – grob 30 % nutzen es, fast zwei Drittel haben noch Windows 10 installiert. Das neue Sicherheitskonzept von Windows 11 wird hier die Spreu vom Weizen trennen – und eine Lösung ist nicht in Sicht!
Der Sonderfall
Schon immer war ein neues Betriebssystem eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine, die nicht ohne Verluste ablief. Vista stellte z.B. durch seinen Leistungshunger viele Rechner vor unüberwindbare Hürden, aber dieses Mal tritt ein nicht gekannter Sonderfall ein. Es ist nicht primär die Leistungsfähigkeit der Systeme, sondern die Sicherheitsfunktionen der verbauten Hardware, die das Zünglein an der Waage sind. War es früher nur natürlich, dass man sich von in die Jahre gekommenen Geräten verabschiedet hat und ein neues Windows als willkommenen Anlass zum Neukauf sah, sind dieses Mal viele Computer nicht für Windows 11 geeignet, die auch nach aktuellen Maßstäben durchaus potente Hardware haben. Ohnehin sind in den letzten Jahren die ganz großen Sprünge in der Leistungssteigerung von PCs ausgeblieben, Geräte bleiben also länger aktuell. Das Resultat: Auf vielen Rechnern läuft Windows 10 geschmeidig, sie können von der reinen Rechenleistung auch Windows 11 bewältigen – dürfen es aber nicht!
Was passiert denn im Oktober?
Natürlich wird Windows 10 mit Supportende nicht in einer Rauchwolke verschwinden – das Betriebssystem bleibt auf dem Rechner, alles wie gewohnt. Dazu helfen aktuelle Browser und Antivirusprogramme, viele Attacken abzuwehren. Doch das Problem liegt tiefer: Nie in der Geschichte hatten Hacker in dieser immensen Breite ein so lohnenswertes Ziel. Wichtige Sicherheitslücken werden wertvoll wie Gold – und die Vorbereitungen von Cyber-Kriminellen für einen heißen Herbst dürften bereits laufen. Vor sieben Jahren schrieb ich bereits über Zero-Day-Exploits, also „Angriffspunkte, Fehler im System, mit denen man Schadsoftware einschleusen, Daten auslesen oder Rechner lahmlegen kann“ – und den Handel damit. All das existiert immer noch, nur wird in diesem Fall Microsoft diese Lücken nicht mehr stopfen. Es wird also zunehmend gefährlich, mit persönlichen Daten auf diesen Rechnern zu arbeiten oder gar darauf angewiesen zu sein.
Nachhaltigkeit? Schwierig!
Präsentiert sich eine Firma, kommt sie heute nicht ohne Gänseblümchen am Revers aus. Natürlich schaut man auf die Umwelt und zeigt es auch nach außen. Microsoft veröffentlicht sogar einen umfangreichen Umwelt-Nachhaltigkeitsbericht, in dem man all seine Öko-Erfolge feiert. Gleichzeitig laufen aber nach Schätzungen 2,17 Milliarden PCs (!) mit Windows 10, von denen nach aktuellem Stand viele Windows 11 nicht erleben werden. Wir reden von einer gigantischen Menge Hardware, die ohne Defekte, perfekt ihren Dienst verrichtend, langsam in Richtung Elektroschrott wandert – undenkbar! Gleichzeitig melden zahlreiche Refurbished-Händler, in denen Second-Hand-Computer aufbereitet werden, volle Lager unverkäuflicher Rechner. Die Kunden wollen halt zukunftssichere Geräte.
Anspruchsvolle Systemvoraussetzungen für Upgrader
Mit Hochleistung in die Windows-Rente
Auch meine private Rechnersammlung ist betroffen. Für einen Redakteur meiner Richtung ist es Pflicht, auf dem neuesten Betriebssystem unterwegs zu sein – ich muss immer am Puls der Zeit bleiben. Als mein Arbeitsplatzrechner sich als nicht Windows-11-kompatibel erwies, kaufte ich ihn kurzerhand und nahm ihn als privates Backup-Gerät oder für den Fall, dass ich mal unterwegs einen Rechner brauchte. Mit einem i7-Quadcore der 7. Generation als CPU, 16 GB Arbeitsspeicher und einer NVIDIA-1060-Grafikkarte war das Gerät viel zu schade, um im Schrank zu verschwinden. Ich spekulierte darauf, dass Microsoft kundenorientiert genug sei, den Nutzern irgendeine praktikable Lösung an die Hand zu geben – lag damit (Stand heute) aber falsch. Der Laptop meiner Frau hingegen, aus demselben Jahrgang und eher betulich unterwegs, wurde zu unserer kompletten Überraschung für würdig erachtet und bleibt nun weiter ihre Surf- und Office-Station.
Eine persönliche Einschätzung
Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass man Abermillionen Kunden knallhart vor die Wahl stellt: ein neues Gerät kaufen, mit einem zunehmend unsicheren PC weiterarbeiten – oder ein anderes Betriebssystem nutzen, das garantiert nicht Windows ist. Würde ich meinen Chefs eine ähnliche Strategie vorschlagen, hätte ich vermutlich bald sehr viel Freizeit. Doch Microsoft ist bislang nicht von seinem Standpunkt abgerückt. Die Systemanforderungen gelten als essenziell für das Sicherheitskonzept von Windows 11 in seiner jetzigen Form. Um Milliarden Rechner weiterhin zu unterstützen, müsste man Windows 11 in wichtigen Bereichen umschreiben – oder zusätzlich eine Art Light-Version veröffentlichen. Von diesen Entwicklungen betroffen sind nicht nur Windows-Nutzer, sondern auch Nutzer von MS Office, Azure oder Edge, die man als Kunden natürlich nicht verlieren will. Es bleibt spannend, was sich der Gigant aus Redmond in den kommenden Monaten einfallen lässt. Ich rechne mit wachsendem Druck – von Nutzern, Umweltverbänden und sogar aus der Politik. Vielleicht aber will Microsoft diesen Kurs bewusst hart durchziehen – als klaren Schnitt für einen technologischen Neustart! Ich persönlich werde bei Windows als Hauptsystem bleiben, diesen einen Rechner jedoch mit einem schnuckeligen Linux bestücken. Noch weiß ich nicht, welches ich dafür nutze, vielleicht schreibe ich sogar einen Blog darüber!
Etwas Service
Hier finden Sie einen kleinen Test zur Kompatibilität Ihres Rechners mit Windows 11. Um alle Fragen zu diesem komplexen Thema zu beantworten, haben wir eine zusätzliche Seite erstellt, die Sie hier finden. Alle Fakten sollten auf aktuellem Stand sein, es kann sich aber natürlich bis Oktober noch etwas ändern – ich hoffe sogar darauf!