„Wo sind denn unsere Urlaubsfotos? Sind die alle weg?“ Die Frau steht offenbar kurz vor dem stressbedingten Exitus und halt panisch ein zerstörtes Handy in der Hand. Mit einem Lächeln dreht sich Ihr Mann (offensichtlich ein Model für Zahnbleiche) um und sagt beruhigend: „Die können nicht weg sein, die sind doch in der Cloud!“ Und sofort ist der Familienfrieden wieder hergestellt, Freude allüberall, der Kaffee ist fertig.
So oder so ähnlich ist häufig der Tenor, wenn Cloud-Dienste Werbung machen. Uns kann ruhig ein Klavier auf dem Kopf fallen, die Daten sind dennoch sicher. Ob das so stimmt, steht auf einem anderen Blatt, denn die Werbung kann bekanntlich viel erzählen.
Aber fangen wir mal von vorne an: Das Speichern in der Cloud (Wolke) bedeutet, dass man Daten (Fotos, Dokumente bis hin zu ganzen Backups) über das Internet an einen Cloud-Anbieter sendet, der sie dann speichert. Es ist sozusagen ein Online-Speicher. Möchte man darauf dann zugreifen, holt man sich die Daten vom Anbieter wieder zurück. Das sieht dann z.B. bei der Dropbox so aus, dass man die App auf dem Handy, Tablet, Computer installiert hat und von allen Geräten darauf zugreifen oder auch speichern kann. Das ist z.B. dann praktisch, wenn ein Dokument von überall verfügbar ist, Fotos automatisch hochgeladen werden oder man ein Dokument mit anderen gemeinsam bearbeiten möchte. Der Gedanke, dass alles sicher und immer erreichbar online liegt, gefällt zuerst.
Mein Handy ist da ein schönes Beispiel. Und zeigt dabei die Kluft, in der man zwischen Bequemlichkeit bzw. Sicherheitsdenken und Datenschutz ist. Wenn ich will, kann ich mein Handy komplett sichern lassen. Und zwar so weit, dass ich im Fall eines Schadens ein Handy gleicher Marke nehmen, mich beim Hersteller anmelden kann und dann sämtliche Daten, Kontakte, Bilder, etc. gleich wieder aufgespielt werden. Klingt doch super, oder? Jedenfalls bis zu dem Moment, wo ich darüber nachdenke, was gespeichert wird – und wo. Will ich wirklich, dass ein recht präzises Abbild meines Lebens nach China wandert? Und das, obwohl ich nicht weiß, wie die Sicherheitsmaßnahmen und der Datenschutz dort gestaltet sind?
Sicherheit in der Cloud - leichte Magenschmerzen inklusive
Die Sicherheitsmaßnahmen der Anbieter sind natürlich lt. deren Eigendarstellung immer tadellos, alles wird ständig überprüft, ist hochmodern und verschlüsselt von der Übertragung bis zur Speicherung. Sollte uns das wirklich beruhigen? Selbst mit der verschlüsselten Speicherung, die die meisten Anbieter zur Verfügung stellen, habe ich meine Probleme, denn es ist ja deren Schlüssel, nicht meiner. So können sowohl deren Angestellten einen Blick in meine Dateien werfen, als auch jeder Hacker, der Zugriff auf ihr System nebst Verschlüsselung erhält.
Zudem – auch die größten Cloud-Anbieter geben keine Auskunft, wo Ihre Server stehen. Google, Microsoft und viele andere sind da ungewohnt diskret. Kann ja sein, dass grimmige Administratoren Tag und Nacht verbittert gegen Hacker für meine Datensicherheit kämpfen, aber was hilft es mir, wenn die Staatsmacht gerne mal einen Blick drauf werfen möchte? Wie schnell kann in meinen Daten geschnüffelt werden? Schon zwischen Europa und den USA gibt es stark unterschiedliche Rechtsgrundlagen! Der aktuelle Streit zwischen den US-Geheimdiensten und Apple zeigt, wie stark nationale Interessen mit dem Datenschutz kollidieren können. Und nebenbei: Kim Jong Un, der sich die Fotos von meiner letzten Grill-Party anschaut, ist ein ziemlich befremdlicher Gedanke!
Ein Blick in die Datenschutzrichtlinien lohnt sich ebenfalls. Während OneDrive munter nach illegalen Inhalten scannt, sammeln andere Anbieter fleißig Daten, die sie auch mal mit „vertrauenswürdigen Drittanbieter teilen“. Gerne schaut man auch auf Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Zahlungsinformationen und Postanschrift, „damit die eigenen Dienste verbessert werden“ können. Das glauben wir natürlich alle sofort. Daher der dringende Tipp: Bevor Sie einen Anbieter in Anspruch nehmen, schauen Sie vorher in die Datenrichtlinien und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Durchaus spannender Lesestoff!
Ein Klick und alles ist irgendwo, irgendwie gespeichert
Hacker sind natürlich auch immer im Hinterkopf, wenn man über Clouds nachdenkt. Berichte über gehackte Cloud-Anbieter machen immer wieder die Runde, nur wenige Anbieter wie Evernote oder Dropbox geben es offen zu. Jede Firma weiß, dass Vertrauen das höchste Gut ist, daher gibt man sich lieber bedeckt. Der kühle Informatiker in mir sagt, dass die großen Anbieter wohl sicherer sein dürften, als z.B. die Daten auf meinem eigenen Rechner. Wer wohl seine Firma schließen kann, wenn er massiv gehackt wird, wird sich um maximale Sicherheit kümmern müssen. Andererseits – sind die Daten bei mir weg, ist es mein Fehler, ich kann reagieren. Sind Hacker auf der Cloud, kann ich nichts nachvollziehen, nichts machen, nur warten, wie schlimm es ist. Seine Dateien in fremde Hände zu geben, ist immer eine große Überwindung.
Daher habe ich für mich entschieden, nur von mir selbst verschlüsselte Daten in der Cloud zu lagern. Programme wie unser Ashampoo Backup Pro 10 verschlüsseln nach dem AES-256-Standard, der bis heute nicht geknackt wurde. Aborange Crypter oder Steganos Save (und viele mehr) verschlüsseln ebenfalls Daten, bevor sie in die Weiten des Internets gelassen werden. Damit kann man einen Spagat zwischen den Vorteilen einer Cloud und der eigenen Datensicherheit vollziehen. Und wer darauf gar keine Lust hat, zieht die externe Festplatte aus der Schublade und speichert seine Dateien darauf. Das geht auch!
Hallo Herr Krumrey
Sie haben hier mal wieder ein Top aktuelles und hochinteressantes Thema aufgegriffen. Ich muss Sie sowiso einmal loben, denn ihre Blogartikel sind kurzweilig und echt Klasse. Aber zum Thema möchte ich sagen, dass ich mich persönlich scheue meine Daten irgendeiner Cloud irgendeines Anbieters zu überlassen. Allein schon das Thema Hacken oder Weiterverkauf der persönlichen Daten halten mich davon ab so etwas in Anspruch zu nehmen. Meine Alternative dazu ist eben auch die externe Festplatte in der Schublade, an Die kommt ausser mir keiner ran. Lobend erwähnen muss ich dabei auch das neue Ashampoo Backup 10, das einem die Arbeit bequem und perfekt abnimmt. Dass der Datenstrom im Netz permanent abgeschöpft wird zeigt einem doch alleine schon die Tatsache, dass einem nach dem Anklicken eines bestimmten Artikels unverzüglich Werbung der gleichen Kategorie eingeblended wird, noch Tage danach.
Ich persönlich werde es auch weiterhin dabei belassen meine Daten auf eigenen Trägern zu sichern und zu hinterlegen.
Hallo,
Sven genießt gerade seinen wohlverdienten Urlaub, daher antworte ich Ihnen. Hatte vorhin schon einem Leser gesagt, dass auch ich immer genau überlege wo ich was hinspeichere und auch nutze lieber den anfassbaren Datenträger....Danke für ihr tolles Feedback. Wir freuen uns immer, wenn unseren Lesern und Kunden unsere Artikel gefallen.
Liebe Grüße, Melanie von Ashampoo
Ich halte Clouds - bei welchem Anbieter aus immer - für ein absolutes Sicherheitsrisiko. Keiner weiß, was mit den abgelegten Daten passiert. Das geht schon mit den Anmeldedaten (eMail-Adresse, Postadresse, Telefonnummer usw.) los. Ich persönlich brauche auch keine Cloud. Für meine Datensicherung zu Hause steht ein NAS gut versteckt zur Verfügung. Die Datensicherung unterwegs mache ich mit einem ganz schnöden USB-Stick mit Hardware-Verschlüsselung.
Wer braucht denn eine Cloud? Ich als Rentner, der allem Neuen stets aufgeschlossen gegenüber steht, jedenfalls nicht und auch viel früher, als ich noch selbständiger Freiberufler war, hätte ich auch keine Notwendigkeit gesehen. Und wer nun meint, er muss wichtige Daten immer parat haben - da gibt es doch heute schon zum Rumtragen Speichermedien mit riesigem Potential in der max. Größe eines Feuerzeuges. Also noch mal: wer braucht eine Cloud? Ein Privatnutzer mit Sicherheit nicht und Nutzer aus einem Firmenbereich müssen eben auch Überlegungen anstellen, ob sie sensible Daten irgendwo in nichtkontrollierbaren Wolken ablegen.
Ein sehr großer Nachteil der Cloud ist, dass vor allem Bilder hin und hergeschickt werden und ich sie dann 3-4 fach auf meinen Geräten habe, und ich viel Zeit damit verbringen muß die überflüssigen Kopien zu löschen,
Und mal wieder ein toller Artikel, der gut die Kluft zwischen technischen Möglichkeiten und Sicherheit zeigt.
Man sollte sich immer gut überlegen, welche Daten man irgendwie online stellt.
Vielen Dank! Ich selber überlege mir auch immer ziemlich genau, wo ich was speichere. Die Entscheidung fällt einem manchmal wirklich nicht leicht :)
Im Moment, da ich diesen, wie immer, hochinteressanten Blog lese, bekomme ich genau zu diesem Thema eine Nachricht eines Anbieters von Sicherheitssoftware, der von einem Apple (!!)-User erzählt, der von einem russischen Hacker aufgefordert wird für eine 6 stellige Entsperrungsnummer zu zahlen. Sonst würden alle Daten aus der i-Cloud (Identität, Kontonummern u.ä) ins Web gestellt. Dazu kein Kommentar !
Stimme völlig mit Ihnen überein.
Ein neuer deutscher Anbieter ist die Leitz Cloud,
die alle Daten nur in Deutschland speichern lässt...
steht zumindest im Prospekt.
Hallo Herr Enzig,
mein erster Gedanke ging an den guten, alten Leitz Ordner :). Ganz falsch lag ich ja nicht. Habe mir den Artikel durchgelesen. Interssant, sehr interessant.
Genau der gleichen Meinung bin ich auch! Vielleicht leide ich ja an Verfolgungswahn, aber da ich wirklich nicht weiß, wo und vor allem WIE meine Daten gesichert werden (und wer im "Notfall", der auch bezeichnet werden müßte, darauf Zugriff hat), werde ich meine Daten nur auf der heimischen externen Festplatte speichern. Ich komme noch aus einer Zeit, wo telefonieren noch mit Wählscheiben funktionierte- und ich lebe trotzdem immer noch! Irgendwas muß ich also richtig gemacht haben.
Es gibt meiner Meinung nach NICHTS, auf was ich ständig und immer zugreifen können müßte- und wenn, gibt's ja die eingangs erwähnte externe HDD oder auch einen Stick, der inzwischen auch utopischen Speicherplatz zur Verfügung stellt! Jedenfalls bin ich alt genug, mir ein gewisses Maß Mißtrauen auf alles, wo ich nicht weiß, wo (und wie) es denkt, erhalten habe.
Ich weiß schon, warum ich nicht bei Facebook oder Twitter angemeldet bin und bei Google auch nur wegen meines Android- Handys...
Das mag jetzt altmodisch klingen aber sogenannte "Cloud"-Dienste sind für mich eine No-Go-Area. "Geiz ist geil" hieß es seinerzeit, heute tritt an Stelle von Geiz auch Bequemlichkeit, gepaart mit Sorglosigkeit, letzten Endes also doch wieder Geiz.