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Die Rückkehr von Firefox

Sven Krumrey

Im Leben eines jeden Technik-Fans gibt es die alten Favoriten, Programme, denen man die Treue hält, auch wenn vielleicht bessere Alternativen gäbe. Mein Lieblingsbrowser war lange Jahre Firefox. Zu keinem großen Konzern gehörig, schnell und mit vielen guten Erweiterungen war Firefox mein Lieblingsbrowser, bis irgendwann Sand ins Getriebe kam. An der Optik wurde lange wenig getan, es gab Fehler bei der Darstellung und die Geschwindigkeit war kaum konkurrenzfähig. Ich wechselte und stellte Firefox betrübt in eine Reihe zu meiner alten Liebe Netscape. Zu früh getrauert? Mit der Version 57 gibt es den großen Umbruch. Erleben wir die Rückkehr zu alter Stärke?

Zurück zu alter Stärke?

Firefox Quantum, so der offizielle Name, wurde mit großem Brimborium angekündigt: Version 57 sei das „größte Update aller Zeiten“, zudem seien glatte sieben Millionen Code-Zeilen angefasst worden. Bei solchen Ankündigungen bin ich immer vorsichtig, jede Firma will Aufmerksamkeit, doch schon der erste Start zeigt – da wurde etwas getan! Die seit 2014 kaum veränderte Oberfläche ist plötzlich aufgeräumt, wirkt modern und auf das Nötigste beschränkt. Schon die FF-Startseite (wenn man sie denn behalten möchte), bietet einiges: Ein Suchfeld, die meistbesuchten Seiten, der letzte Surfverlauf und der Nachrichten-Dienst Pocket, der aktuelle News anzeigt. Ich surfe einfach mal los.

Und wie von Mozilla versprochen – das Ding ist schnell! Durch meine Neuinstallation sind keine Daten mehr im Cache und dennoch bemerke ich zur gemütlichen Vorgängerversion einen deutlichen Schub! Die klassischen Fehler im Seitenaufbau, die manche Neuentwicklung begleiten, bleiben komplett aus und ein kleiner Vergleich zu Chrome zeigt, dass mindestens 30% weniger Arbeitsspeicher bei gleichen Seiten verbraucht werden. Endlich hat Firefox es auch geschafft, die benötigte Rechenleistung auf alle Kerne zu verteilen, was man deutlich merkt. Der gerade geöffnete Tab hat dabei immer Vorrang, die Tabs im Hintergrund ziehen so nicht zu viel Leistung ab, schlau gemacht. Das erfreuliche Ergebnis: Selbst große Seiten mit vielen Animationen und Bildern bauen sich so schnell auf, wie es die Internetleitung hergibt. Respekt!

Für Traditionalisten bilden die neuen Symbole (für Bibliothek, Sidebars, etc.) vielleicht einen Kritikpunkt. Sie sind extrem minimalistisch, man findet sich aber schnell zurecht. Ein Blick in meine Erweiterungen zeigt mir, dass alle zu dieser Version kompatibel sind. Glück gehabt! Meine Favoriten sind bereits für Quantum angepasst worden, speziell kleinere Plug-Ins laufen aber (noch) nicht, hört man aktuell aus den Foren. Das ist zu erwarten, da so vieles geändert wurde, aber dennoch ein Wermutstropfen. In solchen Momenten merkt man halt, dass es kein normales Update ist, sondern wir einen neuen Browser vor uns haben, auf den sich die Entwickler erst noch einstellen müssen.

Mozilla ist sichtbar stolz auf die neue Geschwindigkeit Mozilla ist sichtbar stolz auf die neue Geschwindigkeit

Firefox ist übersichtlicher geworden, weil er seine Elemente logischer anordnet. Mozilla tauft das Design „Photon“. Die Einstellungen sind nun untereinander angeordnet (vorher in 3 Spalten) und alles wirkt stimmiger. Unter „Bibliothek" findet man alle Lesezeichen, Downloads, Chroniken und synchronisierte Inhalte auf einen Blick. Die Symbolleiste lässt sich weiterhin problemlos individuell anpassen, auch beim Test auf dem Touchscreen gibt es keine Probleme, hier hat man nachgearbeitet. Der Schutz vor Website-übergreifender Aktivitätenverfolgung ist direkt in den Browser integriert worden, man braucht also kein Zusatzprogramm mehr. Wie bei Safari, hat auch Firefox selbst entsprechende Möglichkeiten am Start, die zu etwas mehr Privatsphäre im Internet beitragen sollen. Dieser Schutz ist standardmäßig nur in privaten Fenstern aktiv und muss (wenn gewünscht) unter Datenschutz & Sicherheit für das normale Surfen aktiviert werden.

Ich hatte zuletzt keinen Pfifferling mehr auf Mozilla gewettet, doch sie haben mich überrascht. Das Gesamtpaket stimmt und ein Comeback dieses Browsers ist möglich. Ob Firefox nun wirklich meinen Favoriten-Browser Opera ablöst, werden weitere Tests zeigen. Dass ich überhaupt ins Nachdenken komme, ist aber schon bemerkenswert. Um die Kirche im Dorf zu lassen: Firefox ist nun nicht überragend schneller, schöner oder besser als die Platzhirsche, auch wenn einige Medien gerade hyperventilieren. Aber man merkt einfach, wie viel Arbeit in diese Version gesteckt wurde und wie sehr Mozilla versucht, den zuletzt groß geworden Abstand zu den Marktführern zu verringern. Wenn man überlegt, dass hier kein großer Konzern am Werk ist und Konkurrenz dem Markt immer guttut, kann man schon über das Wechseln nachdenken!

Was mich interessieren würde: Gehören Sie zu den Firefox-Nutzern oder denken Sie dran, dem Browser eine Chance zu geben? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Bilder: Firefox / Mozilla

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