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Das Kreuz mit dem Kopierschutz

Sven Krumrey

Als kürzlich die Nachricht durch die IT-Welt geisterte, nun sei auch der hochgelobte Kopierschutz für Ultra HD Blu-rays geknackt worden, huschte wohl ein Lächeln über das Gesicht vieler Leser. Zu häufig hatte man den markigen Ankündigungen der Industrie gelauscht, mit jedem wichtigen Format wurde die Unknackbarkeit verkündet – gefolgt von den ersten Raubkopien in Tages- oder Wochenfrist. Leider ist dieses ewige Hase- und Igel-Spiel nur lustig, wenn man nicht selbst davon betroffen ist – denn den echten Ärger hat der ehrliche Käufer.

Das leidige Thema - immer wieder aktuell

Es war ein wunderbarer Tag, ich wollte zum Strand und freute mich schon auf die Hinfahrt. Eine neue CD sollte den Soundtrack liefern, während ich über die Autobahn düste. Als der Silberling sanft ins Gerät glitt, wartete ich auf die ersten Gitarrenakkorde und hörte – nichts. Außer der irritierten Mechanik des Players und den vergeblichen Versuchen, irgendwas auf der Scheibe abzuspielen, herrschte Stille. Einen verärgerten Blick ins Booklet später konnte ich etwas in mikroskopischer Größe erkennen – ein Kopierschutz war vorhanden. Als später noch das Laufwerk meines Rechners kapitulierte, war der Entschluss gefallen, nie wieder eine CD mit Kopierschutz zu kaufen!

Der interessante Nebeneffekt war, dass ich mich im Internet nach Software umsehen musste, um die CD doch noch abspielen zu können. Und Schwupps – ist man gefühlt mit einem Bein in der Illegalität. So ist es bereits seit 1992 in den USA verboten, Produkte zum Knacken des Kopierschutzes in Umlauf zu bringen, Deutschland zog 2003 nach. Dabei wird es erst in der Regel justiziabel, wenn man selbst eine solche Software produziert, vertreibt oder seine „geknackten Werke“ in Umlauf bringt. Das unschöne Gefühl, überhaupt mit dem Gesetz in Konflikt kommen zu können, bleibt aber. Nebenbei: Es bringt ganz normale Konsumenten auf Internetseiten, wohin es sie sonst nicht verschlagen hätte. Und da gibt es dann auch weitaus mehr als harmlose Player für ehrlich gekaufte CDs, plus Viren als unerwünschtem Bonus.

Und schon sucht man Abhilfe bei den Software-Piraten Und schon sucht man Abhilfe bei den Software-Piraten

Ein anderes Mal wollte ich ein älteres Golf-Spiel installieren und merkte, dass der Kopierschutz nicht Windows 7-kompatibel war – das eigentliche Spiel aber schon. In einem solchen Fall muss man das eigene Spiel cracken (den Kopierschutz umgehen), um es spielen zu können. Bizarr. Und so hat der Kunde das stetige Gefühl, ein minderwertiges Produkt mit Fehlern ausgehändigt zu bekommen. Teilweise haben diese Fehler sogar Methode, so platziert Sonys ARccOS-Kopierschutzverfahren defekte Sektoren auf den DVDs, um dem Kopierprozess zu behindern. Dass Tausende Kunden mit ihren XBoxen, Toshiba-Geräten und sogar einigen Sony-Playern deshalb in die Röhre schauten, nahm man eher schulterzuckend zur Kenntnis.

Wer damit keinerlei Probleme hatte, waren die Leute aus der digitalen Unterwelt, die rasend schnell die ersten Raubkopien einfach jedes Mediums in Umlauf brachten. Selbst normale (findige) Linux-Nutzer nahmen Programme wie „ddrescue“ und erstellten damit exakte Kopien. Andere ließen die absichtlich defekten Sektoren aus und erstellen so Kopien ohne Kopierschutz, die überall angesehen werden konnten. Also genau so, wie man es sich von einer Kaufversion vorstellt. Was den Kopiervorgang erschwert, sorgt auch für Probleme bei diversen Playern und Laufwerken, irgendwie logisch. Und wer nun meinte, mit all diesen Ärgernissen sei der Gipfel erreicht – falsch, es gibt ja noch die Software.

Manchmal wird einem die Entscheidung nicht leicht gemacht Manchmal wird einem die Entscheidung nicht leicht gemacht

Und hier tobt der Kampf gegen die illegale Verbreitung erbittert. Bei einigen Firmen werden deshalb Systemtreiber installiert, die in die tiefsten Ebenen des Betriebssystems reichen. Ist ein solcher Treiber dann nicht sauber programmiert oder inkompatibel zu anderen Systemtreibern, kann das ganze Betriebssystem unsicher oder instabil werden. Wohlgemerkt, nicht das Spiel ist hier gefährlich, sondern nur der Kopierschutz. Erfolgt dann ein größeres Update von Windows (wie gerade beim Creators Update), kann der Kopierschutz wiederum Unheil anrichten, selbst wenn er vorher einwandfrei funktionierte. Andere Verfahren überprüfen, ob man bestimmte Programme für virtuelle Laufwerke installiert hat und versagen ihren Dienst, wenn dem so ist. Schlicht eine Unverschämtheit, denn diese Programme werden oftmals legal und völlig legitim genutzt und sind kein sicherer Indikator für die Umgehung eines Kopierschutzes.

Und so sehnt man sich etwas in Zeiten zurück, wo der Kopierschutz darin bestand, dass bei alten Spielen wie „Zak McKracken“ Seiten mit Eingabe-Codes beilagen, die so bunt waren, dass die Kopierer in der Schule nicht damit zurechtkamen. So schrieb man sich halt alles ab und fluchte über diesen Kopierschutz in seiner ursprünglichsten Form.

Was mich interessieren würde: Haben Sie schon Ärger mit Produkten gehabt, weil der Kopierschutz ein Abspielen verhinderte? Würden Sie Software deinstallieren, weil sie vom Kopierschutz eines anderen Programms nicht akzeptiert wird?

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