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Welcher Rechner soll es sein?

Sven Krumrey

Viele Menschen haben zu Weihnachten Geld bekommen und haben das gleiche Problem wie ich: Welchen Rechner soll ich kaufen? Das Problem ist dabei, dass es nicht den einen richtigen Rechner gibt. Dabei kommt es darauf an, was Sie mit dem Rechner machen wollen, wie anspruchsvoll sie sind und - das sollte man nie vergessen -wie viel Geld Sie zur Verfügung haben.

Gesucht: Das perfekte System

Die Produzenten von Hardware machen es uns dabei nicht gerade leicht, denn anhand der Produktbeschreibungen weiß man nicht, was da eigentlich vor einem steht. Falls Sie jetzt nach Listen mit Kaufempfehlungen Ausschau halten: Das wäre meines Erachtens nicht sinnvoll. Ich kenne Sie ja leider nicht, auch nicht Ihre Bedürfnisse und erst recht nicht Ihren Geldbeutel. Daher möchte ich ein paar Hinweise und Hintergrundformationen dazu geben, wie man bei Komplettsystemen die verbauten Komponenten einzeln betrachtet. Das mag manchmal mühsam sein – aber es ist eine Entscheidung für Jahre und lohnt sich!

Zuerst: Wofür wird der Rechner verwendet? Ich wundere mich immer, wenn liebe Menschen an 2500 €-Rechnern sitzen, obwohl sie nur Office nutzen und surfen. Klar, das kann man machen, ist aber so, als würde man einen Ferrari vor den Pflug spannen. Man sollte sich vorher klar machen, was man will. Soll der Rechner besonders schnell sein? Leise? Spielt man anspruchsvolle Spiele, bearbeitet man hochauflösende Fotos oder konvertiert man Filme in Full HD? Wie anspruchsvoll sind Sie, muss der Rechner blitzschnell starten oder gehören Sie sowieso zur gemütlichen Sorte? Wollen Sie sparen oder rasante Performance?

So schön kann eine Festplatte sein Fangen wir mit der Festplatte an. Hier kann man zwischen SSD und HDD unterschieden (mehr dazu finden Sie in diesem Artikel). Kurz gesagt, wer hohe Geschwindigkeit will, nimmt SSD und zahlt dafür einiges mehr. Falls Sie Sich für eine SSD entscheiden: Betriebssysteme werden immer größer, 120 GB sind hier Pflicht. Möchten Sie auch Ihre Filme, Bilder und Spiele dort parken - heißt es tiefer in die Tasche greifen. Viele kombinieren dabei eine SSD für das Betriebssystem und eine normale HDD als „Datengrab“ für Medien oder Spiele aller Art. Die Gesamtgröße hängt wieder stark von Ihnen ab. Viele „normale“ Nutzer brauchen nicht mehr als 500 GB, begeisterte Hobbyfilmer mit einem Faible für lange Dokumentationen in HD oder Medien-Archivare können schon mal 3 Terabyte belegen.

Jetzt wird es kompliziert, weil es um Prozessoren geht. Hier gibt es ein Gewirr aus Bezeichnungen, die z.T. nichtssagend oder komplett irreführend sind. Platzhirsche sind hier Intel und AMD, die sich keinerlei Mühe geben, den Käufern zu signalisieren, was man eigentlich kauft. Früher konnte man an der Taktung (Gigahertz) ablesen, wie schnell ein Prozessor war. Heute ist dieser Wert nur ein Indiz, denn der Zwischenspeicher („Cache“), die Anzahl der Kerne und das Herstellungsverfahren sind ebenso entscheidend. Und wie muss man es bewerten, wenn (wie meistens) mehr Kerne am Start sind? Sind 4 x 4 Gigahertz = 16 Gigahertz? Ein Vergleich: Ein Auto fährt 200 km/h schnell und befördert 5 Personen - fahren dann vier dieser Autos 800 km/h? Nein, sie befördern 20 Personen mit Tempo 200. Haben Sie also Anwendungen, die all diese Kerne nicht optimal ausnutzen, kann es schon wieder zäh werden und die Geschwindigkeit des einzelnen Kerns zählt.
Was also tun, wenn man in einem Angebot eine Bezeichnung wie „i5-4690“ findet? Googlen Sie ganz einfach „i5-4690 Benchmark“ . Benchmarks sind Programme, die die Leistungsfähigkeit analysieren und es gibt viele Seiten (z.B. http://www.cpubenchmark.net/ ), wo diese Ergebnisse im Vergleich zu anderen Prozessoren dargestellt werden. Man sieht hier recht schnell, ob man im Bereich „High End“, „Mittelklasse“ oder „Machen Sie sich erst mal einen Kaffee“ ist. Generell gilt: Wer nur auf rekordverdächtige Geschwindigkeit Wert legt, wird kaum an Intel vorbei kommen, alle anderen können auch mit den oftmals preisgünstigeren AMD glücklich werden.

Objekt der Begierde: Ein performante Grafikkarte

Die Grafikkarte wird immer wichtiger, wenn es um die Leistungsfähigkeit eines Rechners geht. Es stehen hier sowohl interne Lösungen (ein Chip auf der Hautplatine), wie auch echte Monster mit mehreren Lüftern zur Auswahl. Wofür man sie braucht? Früher hat sie vor allem Grafiken angezeigt, was ja auch naheliegend ist. Nur wer spielte, brauchte eine dicke Grafikkarte, die anderen schauten misstrauisch auf stromfressende Monstren und hohe Preise. Heute haben Grafikkarten leistungsstarke Prozessoren mit mehreren Kernen (GPU), die häufig auch jenseits des Spielens intensiv genutzt werden. Viele Programme (wie auch Burning Studio oder Movie Studio 2 Pro) bedienen sich der Grafikkarte, um z.B. Filme schneller zu konvertieren. Auch Programme wie Adobe Photoshop greifen auf die GPU zurück, um komplexe Berechnungen schneller vornehmen zu können. Daher kann es sich durchaus lohnen, in eine bessere Grafikkarte zu investieren, auch wenn man keine aufwändigen Spiele spielt. Nur Surfen und Office geht mit einer internen Lösung, Luxus ist aber was anderes. Zudem nutzen viele dieser Chips „shared memory“, was im Klartext heißt, dass sich die Grafikkarte einfach einen Teil des Arbeitsspeichers für sich nutzt – der Ihnen dann fehlt. Daher ist eine eigenständige Grafikkarte nicht nur meistens wesentlich performanter, sie verschont auch den Arbeitsspeicher.

Die Auswahl des Arbeitsspeichers (RAM) ist hingegen nicht so fordernd. Allgemein kann man sagen: 4 GB sind normal (manche sagen schon: zu wenig), 8 GB für ambitionierte Nutzer, 16 GB für Spezialisten. Momentan sind zwei Standards am Markt, nämlich DDR3 (immer noch am weitesten verbreitet) und DDR4, die neue Technik. DDR4 ist schneller und soll weniger fehleranfällig sein, arbeitet jedoch nur mit neuer Hardware (die häufig entsprechend teuer ist) optimal zusammen. Wer also nicht nur „das Beste, das Neuste“ haben will, liegt auch mit DDR3 richtig.

Ein Mainboard mit vielen Steckplätzen

Motherboards (Hauptplatine) sind ohne Zweifel eine Wissenschaft für sich. Auch hier gibt es für jeden Zweck, jede Größe und jede Preislage entsprechende Angebote. Motherboards für Spiele-PCs haben z.B. besondere Möglichkeiten zum Übertakten der Hardware, so holt man noch ein paar Prozent mehr Leistung heraus. Ich achte meistens darauf, dass genügend Steckplätze für weitere Karten vorhanden sind und schätze große, kompatible Marken wie ASUS, ASROCK, Gigabyte oder MSI. Hier arbeitet man dicht mit den Herstellern von Prozessoren und Grafikkarten zusammen und optimiert seine Produkte entsprechend. No Name-Hersteller sind mir persönlich ein zu großes Risiko, zudem haben sie oftmals keinen nennenswerten Support, den man bei Problemen oder Fragen kontaktieren kann. Baut man Rechner selbst zusammen, muss zudem noch geachtet werden, ob überhaupt das Board zu den anderen Komponenten passt, bei Komplettsystemen entfällt dieser Punkt. Wie immer, kennt Google auch hier Testergebnisse und Meinungen zu jedem Modell.

Beim Gehäuse stelle ich mir immer einfache Fragen. Könnte ich noch weitere Laufwerke oder Karten unterbringen? Breche ich mir die Finger, wenn den Rechner öffnen möchte? Wo liegen die USB-Anschlüsse? Ist die Front aus minderwertigem Plastik, das bei der ersten Abnahme splittert? Gut, bei Online-Käufen ist das z.T. schwer zu beantworten, aber auch hier lohnt es sich, das Gehäuse zu googlen, um dort ein paar Meinungen / Informationen einzuholen. Mancher Käufer hat eigentlich ein tolles System und ärgert sich dennoch über schwer aufgehende Klappen zu den Laufwerken, knarzende Power-Knöpfe oder wie verklebt sitzendes Seitenwände, sowas verhindert eine kurze Recherche vor dem Kauf.

Unscheinbar, aber enorm wichtig: Das Netzteil

Das Netzteil wird gerne unterschätzt – und ist doch ein wichtiger Bestandteil eines guten Systems. Hier soll möglichst leise und zuverlässig die nötige Energie bereitgestellt werden. Hier sind häufig die Grafikkarten der entscheidende Faktor. Eine sehr performante Grafikkarte kann allein schon 250 Watt verbrauchen, zählt man dann noch einen i5-Prozessor mit 100 Watt hinzu, Lüfter, Laufwerke merkt man schnell, dass die klassischen 300-Watt-Netzteile dieser Belastung nicht standhalten können. So sind heute für viele Rechner Netzteile zwischen 500 und 700 Watt durchaus sinnvoll. Wichtig ist auch die Energie-Effizienz (welche Leistung wirklich bei der Hadware ankommt). Und das Ganze bitte – leise. Wer jemals ein Netzteil mit Fön-Geräusch (Stufe 1) sein Eigen nannte, will nie wieder eines hören.

Steht die Zusammenstellung bei mir, vergesse ich immer die WLAN-Karte bzw. den WLAN-Stick. Das hat Tradition, es wird auch jetzt wieder so sein, aber vielleicht sind Sie ja schlauer als ich.

Habe ich nun mein System gefunden, geht es auf große Tour durch die Online-Shops. Häufig findet man gleiche oder vergleichbare Systeme mit mehreren hundert Euro Unterschied. Auch Ebay oder Amazon haben häufig Komplettsysteme von unterschiedlichen Anbietern, die sich kaum in der Hardware, dafür massiv im Preis unterscheiden. Mit genauer Suche kann man hier durchaus preislich einen netten 24-Zoll-Monitor herausholen. Passt der Preis, werfe ich einen genauen Blick auf den Händler. Steht hier häufiger etwas von „schlecht verpackt“, „lange Antwortzeiten“ oder „Support nicht erreichbar“, wechsele ich zum nächsten Verkäufer.

Sie merken, selbst wenn man mit System und mit einigem Fachwissen sucht, steht einiges an Überlegungen und Recherche an. Wer sich aber nicht auf die vollmundigen Versprechungen der Verkäufer verlassen möchte und wer das Maximum für sein Geld bekommen möchte, sollte diese Zeit investieren. Man lernt dabei sogar einiges über die neuen Entwicklungen der Hardware und mir persönlich bringt es sogar Spaß.

Anmerkung des Autors

Viele Menschen haben gerade Ferien, deshalb ist der Text in der Maxi-Version (etwas länger), sehen Sie es mir bitte nach. Falls Sie über eine bestimmte Komponente (Motherboard, Arbeitsspeicher, etc.) mehr erfahren möchten, schrieben Sie es doch einfach in die Kommentare. Ich schreibe dann „2 Minuten Technik“ zu diesem Thema!

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