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Spectre, Zuckerberg und Bitcoin - 3 Dinge, die mich gerade ärgern

Sven Krumrey

Es lohnt sich immer, ein sonniges Gemüt zu haben. Man regt sich weniger auf, sieht Dinge mit mehr Ruhe und liegt nicht irgendwann mit einem Magengeschwür zuckend unter dem Büroschreibtisch. Bevor ich grummelnd durch die Gegend laufe, muss also wirklich etwas im Argen liegen. Diese Woche aber gab es gleich drei dieser Nachrichten, welche meinen Puls erhöhten und die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchte!

Spectre: Wo Intel scheitert
Ärger 1: Spectre v4

Sie werden es mitbekommen haben, mit Spectre und Meltdown ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Weitere schwerwiegende Sicherheitslücken wurden gefunden, mindestens acht von ihnen sind bereits bekannt. Unter dem schmissigen Namen CVE-2018-3639 (auch Spectre v4 genannt) haben Forscher von Google und Microsoft nun eine weitere Lücke entdeckt, mit der Angreifer auch Passwörter, Kryptoschlüssel und Bankdaten abschöpfen können. Wiederum sind praktisch alle Intel-Prozessoren der letzten zehn Jahre betroffen, ARM und AMD geben sich gerade noch bedeckt. Wer im Internet auf eine infizierte Seite mit JavaScript surft, ist verwundbar, Antivirus und Co. können hier nichts ausrichten. Da immerhin die Browser-Hersteller schnell reagiert haben, ist ein Angriff erschwert, aber nicht unmöglich. Natürlich arbeitet Intel nun daran, entsprechende Updates zur Verfügung zu stellen, aber die haben es in sich!

Bis zu 8 Prozent Leistungseinbußen sind zu erwarten. Falls Sie sich noch daran erinnern, bereits der erste Patch hatte zahlreiche Rechner spürbar langsam gemacht und zu Abstürzen und Instabilität geführt, nun kommt es noch dicker. Intel merkt dabei sehr wohl, dass man die Nerven der Anwender überstrapaziert und wird dieses Update daher als optional anbieten. Der Anwender steht nun vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Möchte er sein System erheblich verlangsamen – oder mit einer ständigen Bedrohung leben? Zudem ist abzusehen, dass ältere Prozessoren (wie schon bei Spectre und Meltdown) wieder leer ausgehen werden. Wer also ein älteres Modell hat, braucht starke Nerven oder massives Gottvertrauen. Für mich stellt sich die Frage: Wie kann eine Firma seine Kunden so behandeln? Zahlreiche Klagen wurden schon eingereicht, vielleicht werden die Gerichte hier für etwas Gerechtigkeit sorgen!

Und schon wieder wartet der Flieger Und schon wieder wartet der Flieger
Ärger 2: Zuckerberg

Mark Zuckerberg macht gerade eine Entschuldigungs-Tournee. Nachdem er bereits zwei Tage vor dem amerikanischen Kongress aussagen musste, gastierte er nun vor dem Europäischen Parlament. Doch was man sah, war ein absurdes Schauspiel. Während die Fragen im amerikanischen Kongress offenlegten, dass es den Abgeordneten massiv an Fachwissen fehlte, waren die europäischen Kollegen etwas besser vorbereitet – was ihnen aber herzlich wenig nutzte. Nur kurz erwähnt: Es ging um den Datenschutz von 377 Millionen europäischer Facebook-Nutzer, Schattenprofile, Datenklau durch Cambridge Analytics und gezielte Desinformation. Angesetzte Zeit dafür: ganze 70 Minuten, danach war Ende, denn Mark Zuckerberg musste zu seinem Flieger! Hat so ein Mann keinen Privatflieger, der niemals ohne ihn abheben würde? Schon hier musste ich dreimal nachlesen, weil ich es nicht glauben konnte. So schnell lässt sich ein Parlament von einem Firmen-Chef (mehr ist er trotz aller Marktmacht nicht!) abspeisen?

Schon nach 10 Minuten verspürte ich erhöhten Puls. So langsam und selbstzufrieden wie die Abgeordneten spreche ich nicht mal nach 10 Bieren, Ehrenwort! Und wer hat sich bitteschön diesen Ablauf ausgedacht? Nach einer Einleitung durch den Vorsitzenden durfte Zuckerberg ungestört eine PR-Rede halten, natürlich von seinem Team sauber ausgearbeitet und voll blumiger Phrasen und kleiner Entschuldigungen. Dann stellten alle Fraktionsführer nacheinander ihre Fragen – ohne dass Zuckerberg antworten musste, das sollte er erst am Schluss! Und so ackerten sich Abgeordnete durch ihre Fragenkataloge und freuten sich sichtlich über ihr Rampenlicht und die weltweite Live-Übertragung, als seien sie in einer Casting-Show. Als sie damit endlich fertig waren, hatte Zuckerberg noch volle 8 Minuten, bis er zu seinem Flieger musste. Also nahm er sich das, was er schnell und ohne Zugeständnisse beantworten konnte, bevor er sich entschuldigte und das Parlament verließ. Ja, da kann man schon mal fassungslos sein!

Schwer unter Dampf für Bitcoin-Energie
Ärger 3: Bitcoin

Haben Sie Energiesparlampen daheim? Es ist doch ein gutes Gefühl, Energie zu sparen und zeitgleich die Umwelt und den Geldbeutel zu entlasten. Weniger Probleme mit hohem Energieverbrauch haben offensichtlich die Macher von Kryptowährungen. Wie ich schon in meinem Bitcoin-Artikel schrieb, basiert dieses System auf intensiven Berechnungen. Ohne sie gibt es weder die Währung selbst, noch eine einzige Überweisung. Früher hatten Freaks noch ihre Computer im Büro und ließen sie schürfen, heute sind es große Serverfarmen, denen man diese Arbeit überlässt. Denn die Berechnungen werden, um Inflation vorzubeugen, immer aufwändiger! Und so offenbaren Schätzungen Abenteuerliches: Der Energieverbrauch für Bitcoin liegt gerade zwischen dem von Dänemark und Irland! Und die Prognosen sind beunruhigend, manche Forscher gehen davon aus, dass 2019 der Energieverbrauch der USA erreicht werden könnte.

Über Sinn und Unsinn von Kryptowährungen kann man diskutieren – aber der resultierende Stromverbrauch ist der pure Wahnsinn. Dass sich das Geschäft immer noch lohnt, liegt einzig und allein an günstigem Strom. Der wird z.B. in China massiv subventioniert, damit die Kohlekraftwerke ausgelastet bleiben und im Land billig produziert werden kann. Wie soll es weitergehen, wenn die Berechnungen immer komplizierter werden und schon heute ganze Hallen voller Server auf Volllast laufen? Welche Berechtigung hat eine Währung, wenn dafür solche Opfer gebracht werden müssen? Wie kann es sein, dass zum Schürfen eines Bitcoins mehr Energie verbraucht wird, als 10 Durchschnittshaushalte im Jahr verbrauchen? Fest steht: Der Finanzmarkt sieht Bitcoin schon lange kritisch und die Politik zieht langsam nach. Entweder wird man massiv Mechanismen ändern, um die Berechnungen in einem vertretbaren Rahmen zu halten oder die Länder drehen dieser Währung irgendwann den Hahn dicht!

Mein Puls hat sich gerade wieder beruhigt, nun würde ich gerne wissen: Was ärgert Sie momentan? Lassen wir mal die Politik außen vor, sonst wird das ein Schlachtfeld hier. :)

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